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Blick von Emmaus/Nicopolis |
Seit Tagen schreibe ich an einem möglichen abschließendem Blogeintrag und merke wie ein solcher nicht wirklich gelingen will, ja auch gar nicht gelingen kann. Es fehlt nicht an Worten und Masse, die im Gegenteil für mehrere Beiträge reichen würde. Doch Worte und Sätze können nicht ausdrücken, was ich in den letzten drei Monaten erleben durfte. Deshalb an dieser Stelle nur ein abschließender kurzer Text. Demnächst dann - falls gewünscht - mehr in der persönlichen Begegnung oder beim GoBrunch am Sonntag, den 19. Mai 2019 um 11h in der Christuskirche in Witten oder anderer Gelegenheit.

Intensiv habe ich mich nicht nur in Theorie und Praxis mit rabbinischer Hermeneutik, sondern z.B. auch damit beschäftigt, wie manches hier über die Jahrhunderte historisch konstruiert wurde und wie die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Situation vom Kampf der Narrative geprägt ist.
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Die Sephardische Ari Synagoge in Safed |
besuchte Städte wie Haifa, Akko oder Safed, zweimal reiste ich in den Süden bis nach Eilat. Auf den Spuren Jesu bin ich für einige Tage in Galiläa von Nazareth über Kana und den Arbel bis nach Tiberias am See Genezareth auf dem Jesustrail gewandert. Auf den Spuren Abrahams war ich mit Übernachtung in einem von Frauen geführten Haus in einem palästinensischen Flüchtlingslager in Jericho und dann durchs Wadi Kelt bis zu einem Beduinendorf am Toten Meer unterwegs. Bei einem Tagestrip zur geteilten Stadt Hebron habe ich die Höhle Machpela, in der die Erzeltern begraben wurden, besucht. Heute ist
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Vor dem Bau über der Höhle Machpela in Hebron |
An drei Orten bin ich durch die herzliche Menschen besonders heimisch
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Ev-Luth. Erlöserkirche Jerusalem |
geworden: In der Ev. Luth. Erlöserkirche im Herzen der Altstadt, die mir als deutschsprachige Gemeinde von Anfang an ein sicherer Hafen war und in der ich gleich zu Beginn herzlich aufgenommen wurde. Auch in der Synagogengemeinschaft Kehilat Zion, die mich für mich unerwartet als Christen herzlich in ihrer Mitte aufnahm und mir neben den Besuchen im Gottesdienst zur Begrüßung des Shabbat gerade auch durch Einladungen zu Shabbatabendessen und zum Sedermahl am Pessach außergewöhnliche Gastfreundschaft bewies. Und drittens in der griechisch-katholischen Melkitischen Kirche in Beit Sahour und Jerusalem, wo mir mit Abuna Suhail und Elias Awad zwei herzliche Freunde die Welt in die byzantinische Liturgie öffneten und das Leben einer arabischsprachigen palästinensischen Gemeinde öffneten.

Das Heilige Land hat viel in dieser Hinsicht zu
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Blick aus der Oase En Gedi aufs Tote Meer |

Viele Menschen lieben Sehnsuchtsorte. Wie schön wäre es, wenn Sehnsucht und Erfüllung zusammen treffen. Nicht immer habe ich dies an den bekannten Orten erlebt, manchmal aber auch dort. Manche Orte müsste ich mir erst er“leben“. Ich hatte nach knapp 20 Jahren Dienst in meiner Kirche dankenswerter Weise Zeit, einfach einmal ein paar Stunden oder auch eine Nacht da zu sitzen, zu lesen, nachzudenken.
Und ich hatte als Besitzer eines Deutschen Passes auch freien Zugang in alle Teile des Heiligen Lande und würde als Reisender überall gleich herzlich begrüßt.
Dabei habe ich den Eindruck nur einen großen Kosmos angekratzt zu haben. Und doch habe ich meiner Meinung nach genug gesehen, um sagen zu können, dass ich auf meiner Lebensreise einen weiteren Teil
meiner menschlichen Familie kennen lernen durfte. Familienmitglieder, die in einem schrecklich schönen Land leben.
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Vielfalt: Eine von 400 Rosen im Jerusalemer Rosengarten |
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Einer von vielen gegangenen Wegen |
Der Text geht noch weiter und dies ist mein abschließender Wunsch für die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes, die mir so viel Gastfreundschaft gewährt haben: „Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken“ (Micha 4, 4).
Bis dahin wird es sicher noch ein langer Weg sein. Ein Weg, den ich einige Monate vor Ort begleiten durfte, und den ich aus der Ferne sicher im Gebet weiter gerne mitgehe.